Die meisten Zellen in unserem Körper sind keine menschlichen.

Unser Mikrobiom besteht aus 100.000 Milliarden Bakterien. Das sind etwa 100 Mal mehr Bakterien als Körperzellen. Insgesamt macht unser Mikrobiom ein bis zwei Kilogramm unseres Körpergewichtes aus. Die überwiegende Mehrzahl dieser Bakterien befindet sich im Magen-Darm-Trakt. Ohne diese Mikroorganismen wären wir Menschen nicht lebensfähig.

Wie entwickelt sich unser eigenes Ökosystem?

Jeder von uns stellt somit ein eigenes Ökosystem dar. Dieser Mikrokosmos in unserem Darm entwickelt sich in den ersten Tagen nach der Geburt, denn im Mutterleib ist der Darm eines Embryos noch unbesiedelt. Entscheidend dabei ist der Geburtsvorgang, bei dem das Neugeborene mit der Vaginalschleimhaut der Mutter in Kontakt kommt und hier die ersten Bakterien aufnimmt. Deshalb unterscheidet sich das Mikrobiom von natürlich auf die Welt gekommenen Babys von jenem solcher Kinder, die durch einen Kaiserschnitt das Licht der Welt erblicken. Später sind es dann verschiedene andere Quellen aus der Umwelt, in denen die Mikroorganismen für unsere Darmflora stecken, in erster Linie jedoch unsere Nahrung. Unser Lebensstil und unsere Ernährung ist also entscheidend dafür, wie sich unser Mikrobiom im Laufe des Lebens entwickelt und verändert.

Was die Mitbewohner in unserem Darm alles leisten

Unsere Mitbewohner leisten uns lebenswichtige Dienste. Sie helfen uns bei der Aufspaltung und Verwertung von Nährstoffen, produzieren Vitamine und unterstützen unser Immunsystem bei der Abwehr krank machender Keime. Außerdem wirken sie entzündungshemmend und regen die Bildung bestimmter Hormone an. Doch das ist nicht alles. Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass unsere Darmbewohner auch Einfluss auf unser Verhalten und unsere Psyche nehmen könnten und somit neben Kopf- und Bauchhirn vielleicht sogar ein drittes Gehirn darstellen.

Was sagt die Forschung über die Darmflora?

Seit etwa 15 Jahren zeigen Erkenntnisse aus dem Gebiet der Psychomikrobiotik, dass ein Un-gleichgewicht der Darmflora ein Auslöser für psychische Erkrankungen sein kann. Das For-schungsgebiet der Psychomikrobiotik beschäftigt sich mit der Untersuchung des Zusammenspiels zwischen Gehirn und Darmflora, wobei die Beeinflussung in beide Richtungen erfolgen kann. Die Darmflora könnte sich beispielsweise über eine Regulierung des Serotoninspiegels, der für unsere gute Laune zuständig ist, auf das zentrale Nervensystem auswirken.

Doch die aktuelle Forschung interessiert sich auch für den Einfluss der Darmflora auf andere Erkrankungen, die auf den ersten Blick nichts dem Darm zu tun haben, wie z. B. Übergewicht, Entzündungskrankheiten, Diabetes oder Allergien. Dass bestimmte Bakterien schlank machen und vor Diabetes schützen, ist eine besonders populäre Behauptung. Neuere Untersuchungen zeigten beispielsweise, dass bei adipösen Menschen der Anteil eines bestimmten Bakteriums namens Akkermansia muciniphila deutlich geringer ist, als bei normalgewichtigen Personen. A. muciniphila stabilisiert die Mukusschicht im Darm.

Unser Darmmikrobiom – Unzählige Mikroorganismen, klein aber oho!

Wenn der Darm erkrankt

Natürlich stellt man auch bei Erkrankungen des Darms Normabweichungen im Bereich der Darmflora fest – häufig sind einige Bakterienstämme in solchen Fällen über- bzw. unterrepräsentiert oder fehlen ganz. Beispielsweise wird eine bestimmte Form entzündlicher Darmerkrankungen durch Clostridium difficile ausgelöst. Bei gesunden Menschen ist C. difficile ein harmloses Darmbakterium. Werden konkurrierende Arten der normalen Darmflora durch Antibiotika zurückgedrängt, kann sich C.difficile vermehren und Gifte produzieren, die zu einer unter Umständen lebensbedrohenden Durchfallerkrankung führen können. Untersuchungen haben belegt, dass eine Transplantation der kompletten Bakterienflora eines gesunden Spenders (Fäkal-Transplantation) den Darm bei dieser Erkrankung sanieren kann und den Durchfall in 95 % der Fälle zur Ausheilung bringt. Allerdings entsetzt der Gedanke einer Stuhltransplantation viele Patienten, und Ärzte beurteilen die unkonventionelle Therapie skeptisch oder warnen vor möglichen Gefahren.

Unsere Darmflora: Die Verteidigungslinie gegen andere Mikroorganismen

Außer Frage steht, dass unsere Darmflora eine zentrale Funktion für unsere Gesundheit übernimmt. Nützliche Darmbewohner konkurrieren mit Krankheitserregern um Nährstoffe und Anheftungsmöglichkeiten auf der Darmschleimhaut. Darüber hinaus produzieren sie teilweise sogar antibakterielle Stoffe, die das Wachstum anderer Mikroorganismen hemmen. Das Darm-Mikrobiom stellt somit eine mehrerer Verteidigungslinien dar, über die unser Verdauungssystem verfügt. Diese Verteidigungslinien sind notwendig, da die Oberfläche des Darms enorm groß ist und somit einen riesigen Bereich zur Verfügung stellt, über den krankheitserregende Mikroorganismen in den Körper eindringen können. Zusammen mit der Darmschleimhaut und dem Darm-assoziierten Immunsystem (= GALT = gut-associated lymphoid tissue) bildet das Darm-Mikrobiom eine funktionelle Einheit, die unter dem Begriff Darmbarriere zusammengefasst wird.

Das Darm-assoziierte Immunsystem stellt die größte Ansammlung von Immunzellen in unserem Körper dar. Ungefähr 70 % der immunologisch aktiven Zellen befinden sich in unserem Verdauungssystem. Die wichtigsten Aufgaben des GALT sind einerseits pathogene Mikroorganismen abzuwehren, andererseits jedoch tolerant gegenüber einer Vielzahl von Nahrungsmittelbestandteilen und nützlichen Mikroorganismen unserer Darmflora zu sein.

Immunorgan Darm – Unser Schutzschild gegen Krankheitserreger

Funktionelle Magen-Darm-Störungen – Ursachen sind unbekannt

Trotz aller Forschung kennt man bisher die genauen Ursachen für funktionelle Magen-Darm-Störungen leider noch nicht. Hier mag das Mikrobiom eine Rolle spielen, aber auch abgelaufene Magen-Darm-Infekte, eine Überempfindlichkeit der Darmnerven oder Dauerstress, wahrscheinlich spielen jedoch alle Faktoren zusammen eine Rolle. Deshalb konzentriert man sich bei der Behandlung auf die vorliegenden Symptome Blähungen, Krämpfe, Völlegefühl, Durchfall oder Verstopfung.

Wie wirken Arzneipflanzen?

Einen hohen Stellenwert haben pflanzliche Medikamente. Wirkstoffe aus Arzneipflanzen wirken gegen mehrere Beschwerden, denn sie bestehen nicht aus einem einzigen synthetischen Stoff, sondern aus einer Mischung an natürlichen Wirkstoffen. Ihr Wirkansatz ist deshalb multimodal, was auch zur guten Verträglichkeit beiträgt, wie bei der Kombination aus Pfefferminzöl und Kümmelöl.

Was sind Darmbeschwerden?

Lesen Sie,  was die Ursachen und Auslöser von Darmbeschwerden sein können.

Unsere Verdauung – Animiert!

In mehreren kurzen Videoclips wird Ihnen erklärt wie unser Verdauungssystem funktioniert.

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